Die Zukunft der Handyfreischaltung

Die eSIM-Karte fristet ein Schattendasein, dabei ist die kartenlose Freischaltung eines Smartphones die Zukunft. Netzbetreiber aber auch Smartphone-Hersteller fürchten die allzu bequeme Nutzung der eSIM.

In der Geschichte der fast 30 Jahre jungen Mobiltelefonie hat sich vieles verändert, nur eines ist gleich geblieben: Die ins Handy einzulegende SIM-Karte. Sie ist zwar immer kleiner geworden, aber ohne die mittlerweile zum Standard zählende Nano-SIM geht nichts im Mobilfunknetz. Dabei gibt eine technologische Alternative zur Plastikkarte, die viel nutzerfreundlicher und vor allem schneller wäre: Die eSIM-Karte.

Diese "embedded SIM" ist als Chip fest im Smartphone verbaut. Er lässt sich jederzeit umprogrammieren und ermöglicht Mobilfunkkunden ohne physischen Kartentausch die parallele Nutzung verschiedener Tarife auf einem Gerät. Was für den Kunden sehr praktisch ist, ist für Netzbetreiber und Gerätehersteller aber weniger attraktiv. Denn mit einer eSIM wird der Wechsel des Providern noch einfacher. Und das ist nicht im Sinn der Mobilfunkanbieter.

Denn sie und die Smartphone-Anbieter haben es sich im Markt symbiotisch zu beiderseitigem Nutzen eingerichtet: Der Provider verkauft einen 24-Monats-Handyvertrag, der Hardwarehersteller subventioniert kräftig sein im Bundle angebotenes Flaggschiff-Smartphone und steigert so den Geräteabsatz.

Beide Seiten haben wenig Interesse, an dieser gut geölten Vertriebsmaschinerie etwas zu ändern. Daher gibt es in Deutschland aktuell gerade einmal 21 eSIM-taugliche Smartphone-Modelle - darunter sind vor allem hochpreisige Highend-Geräte wie Apples iPhones und Samsungs Galaxy-Reihe, seltener Mittelklasse-Geräte wie das Google Pixel.

Mit einer Ausnahme setzen die Hersteller noch auf Hybridlösungen: Apple, Samsung, Google oder Huawei verbauen die eSIM zwar in ausgewählten Geräten - aber zusätzlich zur herkömmlichen SIM-Karte. Einzig Motorola verzichtete bei der Neuauflage seines Motorola Razr 2019 erstmals komplett auf die Plastikkarte. Bei Vodafone und Telefonica können bislang nur Vertragskunden die eSIM nutzen, Prepaidkunden bleiben bei beiden Netzbetreibern außen vor. Die Telekom unterstützt eSIM dagegen in allen Tarifmodellen und schaltet das eSIM-Profil direkt digital frei. Auch andere Provider ermöglichen inzwischen den eSIM-Einsatz, darunter 1&1, Congstar, Klarmobil und Blau sowie alle Drillisch-Marken.

Das eSIM-Profil wird heute entweder direkt auf das Endgerät des Kunden geschickt oder über einen QR-Code online aktiviert - zuvor waren die elektronischen Codes jahrelang per Post an die Kunden verschickt worden.

Aber auch heute birgt die Aktivierung eines digitalen Profils noch häufig analoge Tücken. Bei Vodafone und Telefonica bekommen Neukunden beispielsweise zuerst eine herkömmliche Plastik-SIM per Post zugeschickt, um diese später gegen eine eSIM einzutauschen.

Bislang ist die eSIM ein Nischenmarkt: Die Deutsche Telekom schaltet nach eigenen Angaben aktuell mehrere 10.000 eSIM-Profile im Monat frei. Vodafone verzeichnete Ende 2019 rund 100.000 aktivierte eSIMs - das waren rund 0,5 Prozent der Vertragskunden. Alle Netzbetreiber sprechen von einer steigenden Nachfrage nach eSIM.

Auch wenn die kleinen per Post verschickten SIM-Plastikkarten noch Standard sind, die Zukunft der Handyfreischaltung gehört der eSIM.

Wie funktioniert die eSIM Bildquelle: Vodafone

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