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Chef-Betrug per Stimmimitation am Telefon

220.000 Euro hatte er überwiesen, weil der Chef am Telefon es so wollte. Nur: Es war eine Simulation-Software, eine täuschend echte Fake-Stimme, die den Betrug erfolgreich einfädelte. Mittlerweile sorgt "Fake President" oder "CEO Fraud" für Milliardenschäden, weil die Schadenssummen pro Fall sehr hoch sind.

Technologische Innovationen gehen an Cyberkriminellen nicht vorbei, im Gegenteil. Gäbe es einen Nobelpreis für vorbildlichen Cybercrime, er müsste in diesem Jahr endlich an Entwickler von Stimmimitations-Software vergeben werden. Denn diese wird mittlerweile sehr erfolgreich eingesetzt, damit angebliche Vorgesetzte Aufträge an Mitarbeiter per Telefon durchgeben können. Überweisungen zum Beispiel.

So hatte der Chef einer britischen Auslandstochter eines deutschen Energieunternehmens von seinem Vorgesetzten in Deutschland an einem Freitagnachmittag eine dringende E-Mail erhalten, in der stand, er solle noch vor dem Wochenende eine wichtige Überweisung in Höhe von 220.000 Euro an eine Empfängerbank in Ungarn tätigen. Kurz danach meldete sich der CEO des deutschen Konzerns am Telefon, um die Transaktion im mündlichen Gespräch nochmals abzustimmen. Nur: der Anrufer war eine Stimmimitations-Software, die den echten Chef dank Künstlicher Intelligenz und Machine Learning zuvor perfekt einstudiert hatte. Der britische Vorgesetzte ahnte vom Betrug nicht, das überwiesene Geld war weg.

Ein solcher technisch anspruchsvolle Betrugsversuch ist kein Einzelfall. Wenn man beim Kreditversicherer Euler Hermes über "Der falsche Johannes" spricht, weiß jeder, welcher Schadensfall damit gemeint ist: Der oben geschilderte Fall. Und die Fälle von "Fake President" häufen sich.

In den letzten vier Jahren gingen bei Euler Hermes 65 Fälle von "CEO Fraud" ein. Anfangs noch Einzelfälle, nunmehr sind es rund 20 pro Jahr. Tendenz steigend. Der Schaden ist hoch, sehr hoch: 165 Millionen Euro für die bisherigen Betrügereien mit Stimmimitations-Software, berichtet Euler Hermes.

Beim Chef-Betrug mit Stimmimitations-Software kleckern Cyberkriminelle nicht, sondern klotzen: Sie räumen pro geglücktem Betrug zwischen 150.000 Euro und 50 Millionen Euro ab. Und sie werden immer professioneller, warnt der Kreditversicherer.

Seit 2014 tritt die Fake-Masche President in Deutschland vermehrt auf, sie nimmt stetig zu. Das FBI nennt in seinem aktuellen Internet Crime Report über 20.000 Fake-President-Opfer. 1,2 Milliarden US-Dollar konnten Hacker so letztes Jahr erbeuten. Zwischen 2013 und 2018 summiert sich der Schaden auf 12,5 Milliarden Dollar, dürfte aber weit höher liegen, denn die Dunkelziffer ist hoch.

Identitätsbetrug mit Stimmimitations-Software, bald schon kombiniert mit Videoanimations-Software, die Personen am Computer täuschend echt klonen kann, sollte alle Politiker auf den Plan rufen. Gefälschte Videos in Sozialen Netzwerken, in denen Prominente Unglaubliches erzählen, könnten so gut gefälscht sein, dass man solche Deep Fake-Videos für echt hält. Erste Beispiele dafür gibt es auf Youtube (siehe Video). Internetnutzer sollten gewarnt sein und im Hinterkopf behalten, dass nicht alles, was auf Youtube & Co zu sehen und hören ist, real stattgefunden hat.

Hier noch ein Youtube-Video von Bloomberg: It’s Getting Harder to Spot a Deep Fake Video


Bildquelle: Bloomberg/Youtube

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