Fake-News sind größtes Cyberrisiko für Bevölkerung

Politik und Wirtschaft bewerten erstmals Meinungsmanipulation durch gezielte Falschmeldungen in sozialen Medien als größtes Sicherheitsrisiko - noch vor Datenbetrug. Politiker sehen sogar eine Gefährdung der Demokratie durch Fake-News.

Das Institut für Demoskopie Allensbach sieht Fake-News auf Platz eins der größten Internetbedrohungen für die Bevölkerung, sogar noch vor Datenbetrug und Verletzung der Privatsphäre. Der von der Unternehmensberatung Deloitte beauftragte Report Cyber-Security befragte rund 500 Führungskräfte aus der Wirtschaft sowie Abgeordnete des Bundestags, der Landtage und des Europaparlaments zu Cyber-Risiken und IT-Sicherheit. Nach Einschätzung dieser Top-Entscheider aus Politik und Wirtschaft haben die Gefahren durch Manipulation der öffentlichen Meinung so stark zugenommen, dass sie Fake News erstmals als höchstes Sicherheitsrisiko für die Bevölkerung einstufen.

Einer der tiefgreifenden gesellschaftlichen Umbrüche des letzten Jahrzehnts ist zweifellos der Siegeszug der sozialen Medien, die mit neuen Kommunikationswegen eine Revolution nicht nur des freien Worts auslösten. Protestbewegungen, wie in vielen arabischen Ländern entstanden, organisierten sich über soziale Medien. Im Arabischen Frühling konnten Bürgerrechtsbewegungen somit autoritäre Regime wegfegen. Doch den Chancen einer digital vernetzten Öffentlichkeit stehen zunehmend Risiken gegenüber. Staatlich gelenkte Propaganda, Parteien, Interessensgruppen und ihre Lobbyisten bedienen sich längst sozialer Medien, um Meinungen in ihrem Sinne zu lenken. Im besten Fall handelt es sich um PR, im schlechtesten Fall werden Falschmeldungen über Facebook, Twitter oder andere Plattformen gestreuert und Desinformation betrieben. Automatisierte Bots, die tausende gefälschter Accounts anlegen, sorgen für eine massenhafte Verbreitung auch von Falschmeldungen.

Laut dem Report der Meinungsforscher sehen Abgeordnete im zunehmenden Einfluss auf die politische Meinungsbildung, durch soziale Medien organisiert, grundsätzlich eher ein Risiko für die Demokratie in Deutschland als eine Chance. Rund zwei Drittel der befragten Vertreter der traditionellen Volksparteien teilen diese Einschätzung. "Die Tragweite dieser Entwicklung wird bisher nicht annähernd erkannt. Die Besorgnis vieler Abgeordneter ist durchaus verständlich," sagt Renate Köcher, Geschäftsführerin des Instituts für Demoskopie Allensbach.

Soziale Medien sind für breite Teile der Bevölkerung mittlerweile eine wichtige Anlaufstelle für tägliche Nachrichten. Rund ein Drittel aller jungen Internetnutzer zwischen 14 bis 29 Jahren nutzen laut dem ITK-Verband Bitkom soziale Netzwerke als Nachrichtenquelle. Dabei werden die Gefahren von Fake-News durchaus erkannt. Denn am beliebtesten sind solche in sozialen Medien verbreitete Nachrichten, die aus den Online-Redaktionen traditioneller und bekannter Nachrichtenmedien stammen. Sie werden als seriös und gut recherchiert eingeschätzt.

Fake-News besser erkennen (Tagesschau): Bildquelle: F.Gopp/Pixelio.de

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