Auslaufmodell Bank- und Finanzberater

Geht es um Geldanlagen, schenken die Deutschen der Finanzbranche fast so wenig Vertrauen wie irgendwelchen Tipps in sozialen Netzwerken. Sie vertrauen auf Freunde und unabhängige Finanzportale – beides kann, muss aber nicht gut sein. Wenn‘s ums Geld geht, Sparkasse! Solide, vertrauenswürdig und immer für die kleinen Leute da, so haben Ältere die Assoziation dieses Werbespruchs aus der 60er Jahren vielleicht noch im Kopf.

Doch wegen der Finanzkrise 2008 und dem Vertrauensverlust in die Beratungsqualität der Finanz- und Bankenvertreter stimmt dieses Bild schon lange nicht mehr. Nur noch eine Minderheit der Deutschen hält Bankberater und Versicherungsvertreter für gute Ratgeber, hat der ITK-Verband Bitkom in einer Umfrage unter rund 1.000 Bundesbürgern herausgefunden. Die Finanz- und Bankenbranche ist in einem tiefgreifenden Umbruch, das hat auch technologische Gründe.

Geht es um attraktive Zinsen für Darlehen und Geldanlagen oder günstige Versicherungen, dann vertrauen 9 von 10 Deutschen vor allem Freunden und der eigenen Familie. Das war früher schon so und hat sich heute kaum geändert. Dahinter kommen aber bereits Online-Portale wie finanzen.net, finanztip.de, verivox.de oder check24.de. 7 von 10 Befragten vertrauen den finanziellen Ratschlägen solcher vergleichsweise noch jungen Verbraucher- und Vergleichsportale. Dahinter folgen Ratschläge von klassischen Medien wie Zeitungen oder Fernsehen, ihnen vertrauen 42 Prozent.

Nicht ganz so stark wie auf klassische Medien setzen die Bürger auf andere Online-Angebote zu Finanzthemen wie etwa Fachforen, Blogs oder Podcasts, die 37 Prozent für vertrauenswürdig halten. Ihren Kontakten in sozialen Netzwerken glauben in Geldfragen dagegen nur 24 Prozent. Auf welche Berater man auch immer setzt: gesundes Misstrauen in Geldangelegenheiten sollte eigentlich immer dazugehören. Denn aggressive Strukturvertriebe von Versicherungen lehren ihren Vertriebsneulingen zuallererst den Freundes- und Familienkreis abzugrasen, da hier eben ein besonders hohes Vertrauen und oft auch Zwang zur Gefälligkeit herrscht.

Immer wieder warnen Verbrauchermagazine wie Finanztest vor betrügerischen Schneeballsystemen, die sich zuerst im Freundes- und Familienkreis besonders schnell ausbreiten. Auf der anderen Seiten stehen die unabhängigen Vergleichsportale, die freilich auch Geld für ihre Dienstleistung verdienen müssen. Sie leben in der Regel von Provisionen, wenn Online-Nutzer über sie entsprechende Verträge mit der Finanz- oder Versicherungswirtschaft abschließen.

Daher fordern Verbraucherschützer Transparenz und setzen sich dafür ein, dass die Portale ihre Vergleichskriterien und Provisionen deutlich auf ihren Webseiten offen legen. Das ist längst nicht bei jedem Portal der Fall. Daher gilt auch hier: Gesundes Misstrauen und bei mehreren Vergleichsportalen Angebote einholen, kann nicht schaden.

Bildquelle: Finanzgruppe Deutscher Sparkassen- und Giroverband

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