Datenbrille kommt nicht nur von Google

Der neuste IT-Trend heißt Cyberbrille. Nicht nur Google will das Internet auf die Nase bringen, auch viele andere Hersteller wollen Datenbrillen zur serienreife bringen.

Rund 2000 erlesene Personen testen seit einigen Wochen Googles innovativstes Produkt: Die Datenbrille Google Glass. Noch sammelt der Internetkonzern die Erfahrungen der Tester und sucht nach der Killer-Applikation, die der Datenbrille zum Durchbruch verhelfen soll. Schließlich soll die für nächstes Jahr angekündigte Internetbrille für stolze 1.500 US-Dollar mehr als nur ein prestigeträchtiges Gadget sein. Über Bluetooth mit einem Android-Smartphone gekoppelt will Google Glas dem Nutzer per Sprachsteuerung alle Funktionen bieten, die ein modernes Handy auch kann: Navigieren, Telefonieren, Bilder oder Videos aufnehmen und noch vieles mehr. Beispielsweise Informationen über ein Objekt verraten, vor dem ein Nutzer der Datenbrille gerade steht. Augmented Reality (Erweiterte Realität) macht es möglich.

Google ist jedoch nicht der einzige Konzern, der eine Datenbrille auf den Markt bringen will. Auch Konkurrent Microsoft hat bereits vor zwei Jahren ein entsprechendes Patent in den USA eingereicht. Ebenso der japanische Konzern Olympus, der wie Microsoft mit seiner Mitte vergangenen Jahres vorgestellten Cyberbrille MEG 4.0 für Schlagzeilen sorgte. Beide Firmen haben aber noch keine Details genannt, wann sie ihre Produkte auf den Markt bringen werden.

Die US-Firma Vuzix ist bei der Entwicklung einer datengestützten Brille offenbar schon weiter und will noch in diesem Jahr ihre im Januar auf der Consumer Electronics Show (CES) in Las Vegas vorgestellte Datenbrille M100 anbieten. Das Design des als Smart Glasses bezeichneten Produkts ähnelt allerdings mehr einem Headset als einer Brille. Dafür soll das Produkt mit 500 US-Dollar auch nur ein Drittel des von Google genannten Preises für Google Glas kosten. Mit einem Kit für App-Entwickler will Vuzix freie Programmierer gewinnen, die damit Anwendungen für Smart Glasses M100 entwickeln können. Brillengläser als Projektionsfläche für digitale Daten zu verwenden, haben auch Hersteller aus der klassischen Optikbranche entdeckt. So bietet Brillenhersteller Oakley für Skifahrer bereits eine Augmented Reality Brille an, die ebenfalls mit einem Smartphone verbunden werden kann. Sie integriert Umgebungskarten von Skipisten, zeigt die aktuelle Geschwindigkeit an oder blendet Höhenangaben ein.

Mit so genannten Head Mounted Displays (HMD-Systeme) beschäftigt sich auch Carl Zeiss. Der deutsche Technologieführer für optische Produkte sieht in Datenbrillen vor allem ein ideales Einsatzfeld für viele Berufsgruppen. Chirurgen, Konstrukteure, Archäologen oder Menschen mit Sehbehinderungen beispielsweise könnte mit Datenbrillen geholfen werden, ihre Umgebung räumlich detailgenauer wahrzunehmen. Werden zum Beispiel Einsatzkräfte der Feuerwehr mit einer wärmeempfindlichen Datenbrille ausgestattet, können sie auch im dichten Rauch gefährdete Menschen schnell orten.

Dass bei Internetbrillen Informationen aus der realen und virtuellen Welt verschmelzen, ist der größte Vorteil von Cyberbrillen. Egal ob bei der Arbeit oder im Science Fiction Film, wo Protagonist Tom Cruise im Mission Impossible II seine Aufträge per HMD auf die Gläser seiner Sonnenbrille eingeblendet bekommt: Was im Jahr 2000, dem Erscheinungsdatum des Hollywood-Blockbusters, noch als Zukunftsmusik galt, wird bald schon Realität werden. Google und andere Firmen arbeiten daran.

Bildquelle: Vuzix

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