So sieht das Lesen der Zukunft aus

Ein frei schwebendes Buch lesen und per Finger-Gestik umblättern. Was wie Zauberei aussieht ist technisch bereits möglich.

Bislang kamen frei durch den Raum schwebende Bücher nur in der Zauberschule von Harry Potter vor. Jetzt zeigten Forscher des Berliner Fraunhofer Heinrich Hertz Institute (Fraunhofer HHI) auf der Cebit allen Bücherfans ihren innovativen 3D-Buchbetrachter. Die Wissenschaftler haben ein Buch-Betrachtungssystem entwickelt, das es einem User ermöglicht, in kostbaren Handschriften oder in anderen für das normale Lesepublikum nicht zugänglichen, weil einzigartigen Buchexemplaren zu stöbern. Beim Lesen der Zukunft muss dafür keine Bibliothek besucht werden, man braucht nur den richtigen Bildschirm dazu. Den wird es in naher Zukunft wohl auch günstig für Privathaushalte geben.

Noch aber ist es nicht soweit. Der Interactive 3D-Book Explorer des Fraunhofer HHI funktioniert mittels eines autostereoskopischen Bildschirms. Dadurch werden dem Nutzer, der sich auf eine Markierungslinie etwa zwei Meter von einem großen Display entfernt positioniert, 3D-Bilder des Buches sogar ohne 3D-Brille dargestellt.

Eine einzige stereoskopische Time-of-Flight-Kamera erfasst dabei den Betrachter. Er kann dann mühelos mit dem Betrachtungssystem interagieren. Das System erfasst die Hände- und Fingerbewegungen des Users und dieser kann dann ungestört in dem gewünschten 3D-Buchmodell blättern und lesen. Ganz ähnlich funktioniert die Gestensteuerung bei der Spielekonsole Xbox von Microsoft in Verbindung mit der Kinect-Sensorleiste.

Der 3D-Book Explorer setzt ebenfalls schon auf ein Vorgängerprojekt auf. Er basiert auf der Weiterentwicklung eines Systems, das bereits für viele Buchliebhaber seit zwei Jahren in der Bayerischen Staatsbibliothek in München seine Dienste leistet. Um in einem seltenen Pergament oder in einer seltenen Handschrift lesen zu dürfen, muss zunächst das Ursprungsexemplar gescannt werden. Dieses Scan wird anschließend auf das 3D-Modell eines leeren Software-Buches mit Buchrücken, Buchdeckel und Seiten zum Lesen gelegt und darauf projiziert. Bücher, die normalerweise in einem Tresor liegen, weil sie zu wertvoll sind oder weil sie nur unter konstanten Temperaturen unbeschädigt für die Nachwelt erhalten werden, können zukünftig virtuell bestaunt werden.

Bildquelle: Fraunhofer HHI

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