SSD-Speicher sind nicht das Gelbe vom Ei

Festkörperlaufwerke werden zunehmend statt mechanischer Festplatten in Computer verbaut. Kunden wissen noch viel zu wenig über SSDs und lassen sich oft von Herstellern blenden.

Solid State Drives (SSD) ersetzen zunehmend mechanische Festplatten in Computern und sollen einmal auch zum Standardmedium in großen Datenarchivierungssystemen von Unternehmen werden. Unbestreitbar haben die Flash-basierten Speicher gegenüber den klassischen Festplatten Vorteile, in denen empfindliche Teile wie Magnetscheibe sowie Lese- und Schreibkopf in Bewegung sind. SSDs sind lautlos, energiesparend, robust gegen Erschütterungen und erlauben eine wesentlich schnellere Zugriffszeit auf Daten. So lässt sich bei schnellen SSDs beispielsweise ein 4 GB großer HD-Film in weniger als zehn Sekunden kopieren.

Dass SSDs noch nicht weit verbreitet sind, liegt am hohen Preis, den Käufer in der Vergangenheit für SSDs bezahlen mussten. Doch mittlerweile sind die Preise stark gefallen. PC-Hersteller setzten die kompakten SSDs zunehmen ein, vor allem bei Ultrabooks finden sie Verwendung. Das spart Platz und verlängert die Laufzeit des Akkus. Über Risiken der SSDs klären die Hersteller meist nicht auf. Die aber gilt es zu bedenken, raten Experten von Kroll Ontrack. Das auf Datenrettung spezialisierte Unternehmen hat kürzlich eine Reihe von Nachteilen von SSDs veröffentlich und rückt so manche falsche Vorstellung ins rechte Licht.

Beispiel Datenrettung: Da die Hersteller von SSDs jeweils eigene Verschlüsselungs-Lösungen verwenden, die Schlüssel jedoch zumeist nicht aus der Hand geben, ist im Falle eines Defekts einer SSD eine Datenwiederherstellung so gut wie unmöglich, schreibt Kroll Ontrack. Eine weitere Schwierigkeit besteht darin, die Lebensdauer von SSDs vorherzusagen. Im Gegensatz zu konventionellen Festplatten hängt sie bei SDDs nicht vom Verschleiß der mechanischen Bauteile ab, da diese bei SSDs fehlen, sondern von der Anzahl der Schreib- und Lesevorgänge. Je häufiger auf einen solchen Massenspeicher zugegriffen wird, desto eher wird er die ordnungsgemäße Funktion einstellen. Hier allerdings fehlen Erfahrungswerte. Laut einer Umfrage von Kroll Ontrack meinen 70 Prozent der Käufer, dass SSDs genauso lange halten würden wie mechanische Festplatten. Bewiesen ist das indes nicht.

Auch bei der Risikoeinschätzung eines Datenverlustes liegen die meisten Käufer daneben. 92 Prozent der Befragten sind der Meinung, dass klassische Festplatten häufiger Daten verlieren als SSDs. Eine glatte Fehleinschätzung, die Kroll Ontrack auf eine erfolgreiche Verharmlosungsstrategie der SSD-Befürworter zurückführt. Statistiken aus den Datenrettungslaboren von Kroll Ontrack belegten das Gegenteil. SSD-Speicher würden ähnlich oft ausfallen wie traditionelle HDD-Festplatten, in manchen Fällen lägen die Fehlerraten sogar höher als bei den mechanischen Vorfahren, berichtet Kroll Ontrack. Kroll Ontrack rät insbesondere Unternehmen, die mit dem Einsatz von SSDs in ihren Datenspeichersystemen liebäugeln und die durchaus gegebenen Vorteile nutzen wollen, sich vorher umfassend zu informieren und nicht "auf die Marketing- und Werbeversprechen der Hersteller hereinzufallen".

Bildquelle: Western Digital

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