App-Datensammelwut Riegel vorschieben

Verbraucherschützer wollen dem mobilen Internetnutzer die verlorene Hoheit über seine Daten wiedergeben. Viele Besitzer von Smartphones wissen nicht einmal, was Apps mit ihren Informationen machen.

Die Vermessung und Archivierung digitaler Fußabdrücke passiert ständig und unbemerkt. Kaum ein Smartphone-Nutzer weiß, welche App was über ihn aufzeichnet und weitergibt. Das Adressbuch, die Browser-Chronologie, die zuletzt gewählten Telefonnummern oder die aktuellen Positionsdaten: Das alles und noch viel mehr Informationen gibt der Smartphone-Besitzer von sich preis, wenn er die Bestimmungen einer heruntergeladenen App akzeptiert. Eine spätere Liste über den Umfang der erteilten Zugriffe gibt es nicht, ein Nutzer weiß oft nicht einmal, wie er eine App löschen kann. "Mit dem Smartphone hält der Verbraucher ein neues Machtinstrument in der Hand, das sich gegen ihn wenden kann", gibt Gerd Billen, Vorstand der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv), zu bedenken. Machtinstrument deshalb, weil man mit einer App Preise vergleichen, Reisen buchen oder das Smartphone bald schon als virtuelle Geldbörse verwenden und damit bezahlen kann. Doch der bequeme mobile Freund ist neugierig und muss gestoppt werden.

Billen verschweigt die Chancen der neuen Kommunikation nicht, die Smartphones bieten. Er fordert allerdings eine breite Diskussion über die Grenzen der Datensammelwut, um die Risiken begrenzen zu können. Der Verband fordert daher die Bundesregierung auf, ein Forum Mobile Commerce einzurichten, das sich in einer Gesamtsicht mit den neuen Kommunikationsangeboten befassen soll. Im Mittelpunkt soll der Nutzer stehen, der Herr über seine Daten bleibt. "Sonst sind es die Datensammler, die die Macht haben, Verbraucher am Gängelband führen und so das große Geschäft machen", warnt Billen.

Die Sorge ist nicht unbegründet, denn viele App-Anbieter umgehen geltendes Recht. So ist zum Beispiel gemäß Telekommunikationsgesetz die Lokalisierung nur nach vorheriger Zustimmung zulässig. Dennoch senden laut Stiftung Warentest einige Apps Standortdaten unverschlüsselt oder übermitteln sie ohne Einwilligung der Nutzer an Dritte. Diesem Missbrauch will der vzbv einen Riegel vorschieben. "Persönliche Daten gehören Personen, nicht Applikationen", sagt Billen. Für ihn hat der mobile Internetnutzer die Kontrolle über seine Daten schon längst verloren. Diese wiederzuerlangen wäre eine Aufgabe, der sich die Bundesregierung stellen müsste, findet Billen.

Bildquelle: BVMed

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