Amazon durchleuchtet politische Einstellung seiner Kunden

Amazon ist unter die Wahlforscher gegangen. Das Online-Kaufhaus analysiert die Bestellungen politischer Bücher seiner Kunden und will so vorhersagen, wer im November das Rennen um die US-Präsidentschaft macht.

Ist das die Zukunft der Wahlforschung im Internetzeitalter oder lediglich raffiniertes Marketing, um sich im Wahlkampf um die US-Präsidentschaft medial in Szene zu setzen? Das weltgrößte Online-Kaufhaus Amazon betreibt "Wahlforschung", indem es die Top-100 bestellten politischen Bücher seiner Kunden in Anhänger der Republikaner (rote Bücher) und Sympathisanten der Demokraten (blaue Bücher) einteilt und die täglich wechselnden Ergebnisse in seiner "Election Heat Map 2012" veröffentlicht. Demnach führt gegenwärtig der Herausforderer des amtierenden US-Präsidenten Barack Obama. Der konservative Republikaner Mitt Romey vereint nach Amazons Berechnungen 57 Prozent auf sich, während der amtierende Präsident der demokratischen Partei, Obama, nur auf 43 Prozent kommt, so das Ergebnis vom vergangenen Sonntag.

Den Analysen liegt die nicht unumstrittene Methode zugrunde, dass Anhänger einer politischen Richtung nur solche Bücher bestellen, die ihre Überzeugungen widerspiegeln. Demnach würde Amazon Bestellungen von Sympathisanten einer politischen Einstellung, die sich über die Gegenseite informieren wollen und entsprechende Bücher kaufen, falsch eingeordnet. Doch auf solche Spitzfindigkeiten kommt es Amazon nicht an. Das Online-Kaufhaus weiß um die Schwächen seiner Analyse und gibt offen zu, dass eine solche Einordung problematisch sei und sich Bücher außerdem nicht in simple politische Kategorien einteilen ließen. Doch genau das tut Amazon. Auf der Amazon-Seite werden die 100 meist bestellten politischen Bücher in die beiden rivalisierenden Strömungen eingeteilt und fein säuberlich in "rote" Bücher für Republikaner und "blaue" Literatur für Demokraten gelistet. Kostenlose E-Books dagegen zählt Amazon nicht dazu. Solche Rankings der am häufigsten bestellten Produkte verwenden viele Online-Shops, weil sie bei Kunden beliebt sind und Kaufimpulse auslösen. Das offensichtlich kommerzielle Interesse, das hinter Amazons politischer Meinungsforschung steckt, verschweigt der Internetriese geflissentlich. Vielmehr betont das Online-Kaufhaus seine Hoffnung, mit der "Election Heat Map 2012" einen Barometer in der entscheidenden Phase des US-Wahlkampfs geschaffen zu haben, der die wechselnden politischen Präferenzen der Wähler dokumentiert.

Bildquelle: Amazon

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