Digitale Kopien in Schulen nun erlaubt

Lehrer machen sich nicht mehr strafbar, wenn sie Teile aus Schulbüchern scannen und im Unterricht verwenden. Auch eine Spionage-Software, die das Urheberrecht überwachen sollte, kommt nicht zum Einsatz.

Deutsche Schulen und ihre Kultusbürokratie brauchen immer ein bisschen länger, um moderne didaktische Konzepte in den Schulalltag zu integrieren. Ab kommendem Jahr ist es aber soweit: Für die Lehrer fängt, 13 Jahre später, das 21. Jahrhundert - die Ära der digitalen Medien - an. Vervielfältigungen von Texten, Tabellen und Schaubildern aus Schulbüchern mittels klassischer Kopierer gehören dann der Vergangenheit an. Lehrer dürfen endlich Auszüge aus Schulbüchern scannen, auf ihrem eigenen Rechner speichern, ausdrucken oder die Inhalte auf digitale Schultafeln, so genannte Whiteboards, projizieren. Die Bundesländer und die Verwertungsgesellschaften der Verlage haben sich in der Frage des digitalen Vervielfältigens urheberrechtlich geschützter Werke für Unterrichtszwecke durch Lehrkräfte geeinigt. Ab kommendem Januar dürfen Lehrer aus Schulbüchern zehn Prozent der Inhalte oder maximal 20 Seiten digitalisieren und für ihren eigenen Unterricht verwenden. Das Abkommen schafft endlich Rechtssicherheit für Lehrer und Schulen.

Fortschrittliche Lehrer hatten zwar schon immer Auszüge aus Schulbüchern auf PCs digital eingesetzt, sich mit dieser Praxis aber strafbar gemacht. Denn die Kultusministerien der Länder hatten bei Schulbuchverlagen lange Zeit nicht darauf gedrängt, dass mit der Anschaffung von Büchern auch digitale Verwertungsrechte einhergehen, damit Lehrer für ihren Unterrichtseinsatz Teile der Schulmaterialien mit dem PC verarbeiten können.

Um Verstöße gegen dieses Urheberrecht zu ahnden, hatten die Verlage sogar den Einsatz von spezieller Software an Schulen gefordert, um Lehrer zu überwachen, die unerlaubt Unterrichtsmaterialien digital verwenden. Lehrergewerkschaften hatten massiv gegen den so genannten Schultrojaner opponiert. Technisch hat der Einsatz von Schnüffel-Software in deutschen Schulen ohnehin nie funktioniert. Mit der geschlossenen Vereinbarung verzichten die Schulbuchverlage auch auf den Einsatz des Schultrojaners.

Bildquelle: Deutsche Messe AG

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